Eskorta - M. Hvorecky
Aufstieg und Fall Bratislavas: Die slowakische Hauptstadt ist die eigentliche Protagonistin in Michal Hvoreckys Roman Eskorta, vor 1989 ein erbärmliches Provinznest, nach der Wende das Zentrum eines…
Specifikacia Eskorta - M. Hvorecky
Aufstieg und Fall Bratislavas: Die slowakische Hauptstadt ist die eigentliche Protagonistin in Michal Hvoreckys Roman Eskorta, vor 1989 ein erbärmliches Provinznest, nach der Wende das Zentrum eines ultraliberalen Wunderkindlandes, in der Zukunft (im Epilog, der den Roman unvermittelt zu gespenstischem Sciencefiction mutieren lässt) eine Fabrikationsstätte koreanischer Fahrzeugproduktion. Und mittendrin: Michal, zunächst arbeitsloser Schauspieler, dann Edelcallboy, schließlich (nach einem gebührend ekligen Geschlechtswechsel) treusorgende Mutter einer fleißig koreanisch lernenden Tochter. Vorneweg: Eskorta lockt als erotischer Roman, funktioniert aber auf der Ein-Mann-für-gewisse-Stunden-Ebene überhaupt nicht. Michals unzählige sexuelle Begegnungen bleiben blass, zeigen immer nur enthemmtes, ansehliches Fleisch, zum Schluss schrie sie leidenschaftlich, stöhnte heftig und wand sich hin und her, heiß und verschwitzt, ewig so weiter. Stimmig dagegen ein Ausflug in den Norden der Slowakei, der unvermittelt zur Reise in die Hölle wird, in ein Gebirge, dessen heruntergekommene Dörfer einen Gegenpol zu den glitzernden Hauptstadtoberflächen bilden. Das kann Hvorecky: Städte beschreiben, Orte, Landschaften. Und über diese eine Geschichte erzählen, die soviel spannender ist als langweiliger 08/15-Sex.